Was macht einen New Work Facilitator®? Ein Interview mit Annika Wittrock

Hallo liebe Annika!

Heute stellen wir Dich in unserem Blog vor. Wir kennen uns schon eine Weile und ich schätze Dich sehr als Professional. Doch Deine berufliche Laufbahn lässt sich nicht in wenigen Schlüsselwörtern zusammenfassen, außer vielleicht als „disruptiv“. Siehst Du das auch so?

Hallo liebe Tina, vielen Dank für das schöne Intro! Ja, „disruptiv“ trifft es ganz gut, wenn man den Begriff positiv assoziiert 🙂 Wie kann eine berufliche Laufbahn disruptiv sein?

Ich habe nach dem Studium in Startups gearbeitet, im Vertrieb und Marketing. Immer von der ersten Stunde an. Da war jeder für alles zuständig, jeder trug Verantwortung, jeder brachte sich selbst die Fähigkeiten bei, die gerade gefordert wurden. Jeder war gerne bei der Arbeit, von früh bis in die Nacht hinein. Ich habe später auch selbst gegründet und einen E-Commerce-Shop für Fair Trade Kaffee aufgebaut. Diese Art zu arbeiten hat mich geprägt.

Als mein erstes Kind geboren war, entschied ich mich für eine Festanstellung im Mittelstand um mehr Zeit und den Kopf frei zu haben für meine Familie. Ich kam erstmals mit der „traditionellen“ Unternehmenswelt in Kontakt, war Teil eines bestehenden Teams und von Arbeitsstrukturen, die seit Jahren nicht hinterfragt wurden. Der Druck mit der Digitalisierung Schritt zu halten war hoch und das machte sich bei der Stimmung im Team deutlich bemerkbar. Als Digital Marketing Spezialistin war die Erwartungshaltung: Hilf uns dabei schnell zukunftsfähig zu bleiben. Aber: Ändern wollen wir hier eigentlich nichts. Da kam ich an meine Grenzen. Das Szenario wiederholte sich auch bei meinem nächsten Job.

Ich stellte fest: Wow, ich denke und arbeite ja ganz anders. Wie kann ich dem Team vermitteln, dass die überfälligen Anpassungen an die Digitalisierung nicht die einzig notwendige Veränderung sein können? Sondern dass jeder einzelne im Team Veränderung möglich machen und Verantwortung dafür übernehmen muss?

Ich beschloss, eine Ausbildung zum New Work Facilitator® bei der TAM Akademie in Berlin zu machen – das war die beste Entscheidung.

Warum ist New Work für Unternehmen wichtig geworden?

New Work ist so wichtig geworden, weil sich mit der schnellen Veränderung unserer Welt auch unsere Arbeitswelt verändert hat. Mit Corona, Wirtschaftskrisen, Klimawandel, Kriegen ist alles so unsicher geworden.

Umso mehr wünschen wir uns im beruflichen Alltag Stabilität und Sicherheit – und wollen trotzdem frei arbeiten können, mal von zu Hause, mal im Büro, mal spontan abends, weil wir uns nachmittags um die Kinder gekümmert haben. Wir wünschen uns ein zuverlässiges Team, klare Ziele, transparente Kommunikation und vor allem Wertschätzung. New Work heißt nicht, dass jeder machen kann was er will. Sondern dass jeder seine Rolle kennt, genau weiß, wohin es geht und das gerne tut.

Was hat Dich dazu bewegt, eine Ausbildung als New Work Facilitator zu absolvieren?

Mit dem Begriff „New Work“ kam ich erstmals durch dich, liebe Tina, in Berührung. Damals-Krieg Mentessa Noch nicht geboren, aber du hattest schon tausend Ideen über die wir uns ausgetauscht haben. Als ich dann beim „Big & Growing“ New-Work-Festival mitwirken durfte, dass du ins Leben gerufen hast, hörte ich die zahlreichen tollen Beiträge über New Work. Und ich fühlte mich endlich verstanden. Da gab es auch noch andere, die so dachten wie ich! Ich suchte auch gezielt nach Fortbildungen im Zusammenhang mit New Work.

Wie hast Du die Ausbildung gemacht und wie läuft diese ab?

Ich habe die Ausbildung komplett aus der Ferne gemacht, weil ich in Berlin nicht sein konnte. Das fand ich zunächst schade, weil ich persönlichen Austausch liebe. Im Nachhinein bin ich für die Entscheidung sehr dankbar, da sie mir gezeigt hat, dass man trotzdem eine tolle Verbindung zu den Teilnehmern aufbauen kann. Und es gibt großartige Tools, mit denen man in der Gruppe arbeiten und lernen kann.

Die Ausbildung gliedert sich in 5 Modulen über einen Zeitraum von 4 Monaten: Darin geht es um Inner Work, Organisationsentwicklung, New Culture, New Leadership und Leading Facilitation Processes. Zu jedem Thema gab es einen Experten, der uns über mehrere Tage begleitete. Er vermittelte uns die Theorie. Die Praxis, auch das Leiten eines Workshops, die Anwendung von Tools, die Selbsterfahrung erlernten und übten wir in Teams in sogenannten Breakout Sessions. In der Abschlussarbeit ging es darum, ein fiktives oder tatsächliches New Work Projekt in einem Unternehmen von A bis Z mit konkreten Maßnahmen, einem realistischen Zeitplan, durchzuplanen.

Was hat sich in deiner Herangehensweise in deiner eigenen Arbeit danach verändert?

Ich gehe jetzt ganz anders an Probleme heran. Als „startup native“ dachte ich immer, ich müsste für alles die passende Lösung parat haben. Das ist jetzt nicht mehr so. Ich kenne jetzt die richtigen Tools und die Methodik, um Change Prozesse zu vermitteln und anzustoßen.

Und wie unterstützt du dann Unternehmen genau?

Als New Work Facilitator® helfe ich, wenn es darum geht, einen Transformationsprozess anzustoßen und/oder zu begleiten. Von Anfang bis Ende. Dabei ist es besonders wichtig, dass ich nicht nur das Mindset für die notwendige Veränderung mitbringe. Sondern dass ich dieses Mindset auf allen Ebenen vermittele.

Bei gibt es ja immer Vorbehalte, Unsicherheit und Ängste Veränderung, die es abzubauen gilt. Unter Anwendung verschiedenster Tools und Modelle mache ich mir ein Bild von der Situation, erfasse das Problem, erarbeite einen Projektrahmen und begleite, möglichst über alle Abteilungen hinweg den Prozess in Form von Workshop-Formaten oder Einzelsessions.

Warum ist die Rolle des Facilitators für Unternehmen wichtig? Warum kann man ohne Hilfe den Schritt nicht schaffen?

Es gibt einen Teil der ...

Es ist wichtig, dass es bei Veränderungsprozessen eine Person gibt, die mit einem neutralem Blick von außen einwirkt. Was mir besonders gut an der Rolle der New Work Facilitatorin gefällt: Ich wirke „nur“ als Begleiterin eines Veränderungsprozesses. Das heißt der Fokus liegt darauf, dass das Team selbst notwendige Maßnahmen erarbeitet und umsetzt. Ohne dass ich ihnen den „Heiligen Gral“ serviere. Ich bin Impulsgeberin und Moderatorin.

Bildlich gesprochen bin ich die Bergführerin: Ich lenke das Team in die richtige Richtung, sorge dafür, dass es sich nicht verläuft und dass sich der Weg zum Ziel gut anfühlt. Am Ziel soll das jeder Einzelne denken: Wow, toll, wir haben's geschafft! Schau mal, wie hoch wir gekommen sind. Und wir haben sogar noch Energie für den Abstieg…und wollen gemeinsam noch weitere Berge besteigen!

Was sind die größten Hürden, die Deine Kunden mit Deiner Hilfe überbrücken?

Die größte Hürde, das stelle ich immer wieder fest ist: Die Veränderung, die Notwendigkeit ist auch wirklich in die Tat umzusetzen und nicht nur darüber zu sprechen. Und: Verantwortung dafür zuübernehmen! Dass man nicht nur darüber spricht, dass Abteilung XY ja schuld daran ist, dass Prozess XY nicht gut läuft. Es kommt darauf an, dass jeder bei sich selbst anfängt und hinterfragt: Was kann ich dazu beitragen, dass wir alle gemeinsam gut vorankommen. Dieses Mindset zu verinnerlichen, das ist echte Arbeit, für Führungskräfte wie für Mitarbeiter. Genau dabei kann ich meine Kunden unterstützen.

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